Bezeichnung dunkler magmatischer Gesteine
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Bezeichnung dunkler magmatischer Gesteine

Auf Grund häufiger Missverständnisse bei der Bezeichnung dunkler magmatischer Gesteine (= Gesteine die aus Magma entstanden sind) erscheint es sinnvoll einige Erläuterungen zu den fachlichen Grundlagen der Begriffe in der Naturwerksteinkunde darzulegen, wie sie als Stand der Technik zu bezeichnen sind. Auch ohne den Rückgriff auf geowissenschaftliche Fachliteratur, die letztendlich den Standard zur Begrifflichkeit von Steinen auch in bautechnischer Verwendung festlegt, existieren speziell für Laien angefertigte Werke, die eine doch recht eindeutige und allgemein verständliche Zuordnung ermöglichen:

- INSK, die jeweils an den Bild-Kapiteln vorangestellten Erläuterungen
- MÜLLER, F.: Gesteinskunde
- PESCHEL, A.: Natursteine
- REINSCH, D.: Natursteinkunde.

Die drei letztgenannten Bücher erlauben auch einem fachlichen Laien eine recht gute Zuordnung von Gesteinen und die Ableitung bautechnischer Relevanzen. Darüber hinaus liegen zahlreiche populärwissenschaftliche und leicht verständliche Bücher über die Klassifikation von Gesteinen vor, die Beteiligten im Industrieprozess zu empfehlen sind und in der Regel eine erste einfache aber ausreichende Klassifikation ermöglichen.

Grundlage der Bezeichnung eines Gesteins, dass im Wirtschaftsraum der EU in der Naturwerksteinindustrie zur Verwendung gelangt, bildet dessen geowissenschaftliche Untersuchung nach der EN 12 407 und die Zuordnung nach der EN 12 670. Auch wenn es sich bei Gesteinen nicht um solche aus der EU handelt, betrifft die Kennzeichnungspflicht dann ein Produkt, wenn es in der EU gehandelt oder gefertigt wurde. Damit ist stets auf diese Normen zurückzugreifen. Unabhängig von der Herkunft legen beide Normen die Verbindlichkeit und Einheitlichkeit der Untersuchung und Bezeichnung von Gesteinen im Sektor Naturstein für die EU fest. Fixiert sind der Bezug zur Untersuchungsmethodik und die sich daraus ergebende Kennzeichnung in den normativen Verweisen der Produktnormen für Naturwerksteine.

Die Verwendung dunkler bis schwarzer magmatischer Gesteine war bis zu einem Zeitraum vor ca. 30/40 Jahren im Wesentlichen auf Vorkommen aus Skandinavien, Deutschland und Frankreich beschränkt. Die Gesteine und ihre Vorkommen waren seit Jahrzehnten geologisch meist gut untersucht und beschrieben sowie in ihren bautechnischen Anwendungsgrenzen durch Erfahrungen bewertet. Eine tiefergehende Definition erübrigte sich im Gesamtkontext der Gesteinsbezeichnungen für die überwiegend handwerklich orientierte Natursteinwirtschaft. Erst mit der Globalisierung der Natursteinindustrie und der Entwicklung der Massenproduktion vor ca. 30 Jahren wurden dunkle Gesteine weltweit bezogen. Damit wurde der Markt auch mit Gesteinsarten beliefert, die häufig sowohl einen geringen geologischen Untersuchungsstand der Vorkommen aufwiesen als auch in ihren bautechnischen Eigenschaften bzw. Wechselwirkungen zwischen Mineralbestand und bauchemischen sowie bauphysikalischen Eigenschaften nicht erprobt waren. Da dunkelgrau und schwarz zwei wichtige farblich in der Zeit durchlaufende Dekore darstellen, besteht der Markzwang zur fortlaufenden Einführung neuer Handelssorten am Markt. Jährlich werden neue Handelssorten angeboten, die jedoch auf Grund mangelnder geologischer Untersuchung von Lagerstätten und Gestein meist nicht lange im Angebot sind.
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Die dunklen magmatischen Gesteine gehören, bis auf seltene Ausnahmen, zu den Hartgesteinen. Darunter werden in der Natursteinindustrie Gesteine zusammengefasst, die überwiegend Minerale mit einem Härtegrand höher als MOHS 5 und einem dichten und eng verwachsenem Mineralverbund aufweisen. Da sie damit ähnliche Eigenschaften in der Verarbeitungstechnologie wie die am meisten verwendete Gesteinsart GRANIT aufwiesen, wurden die dunklen magmatischen Gesteine einfachhalber auch als „schwarze Granite“ bezeichnet.

Begriff: Granit
Der Begriff Granit (und auch der Granodiorit) wird mineralogisch durch das in der EN 12670 verwandte Diagramm nach Streckeisen für die Natursteinindustrie eindeutig definiert und ist auch in diesem Rahmen zu verwenden. Neben den Hauptbestandteilen Quarz und Feldspäte können Granite/Granodiorite häufig enthalten: dunkle und helle Glimmer,Pyroxene,Hornblenden, Erzminerale, Chlorit. Die Granite/Granodiorite werden als saure (Quarzgehalt über 20 %) Tiefengesteine bezeichnet.

In den beiden Diagrammen nach Streckeisen werden alle magmatischen Gesteine, Tiefengesteine und Ergussgesteine, erfasst, deren Anteil an dunklen Mineralen unter 30 % liegt. An Hand der prozentualen Verteilung der hellen Minerale – Quarz, Alkalifeldspäte und Ca-reiche Feldspäte – erfolgt dann die Einordnung und Bezeichnung. Diese Zuordnung ermöglicht nicht nur die wissenschaftliche Bezeichnung, sondern auch für einen Fachmann der Natursteinwirtschaft die Ableitung wichtiger bautechnischer Eigenschaften.

Enthalten die Gesteine mehr als 35 % dunkle Minerale und weniger als 5 % (bzw. 20 %) Quarz werden sie nach dem Mineralbestand in gesonderten Diagrammen betrachtet und bezeichnet. Auch diese Bezeichnungen sind in der EN 12670 aufgeführt. Diese Gesteine werden wegen ihres geringen Gehaltes an freier Kieselsäure in Form von Quarz (SiO2) bzw. dem Gesamtanteil an SiOx in den übrigen Mineralen auch als basische Gesteine bezeichnet.

Basische Gesteine, die als Naturwerksteine Verwendung finden, bestehen aus ca.

10 – 60 %* Feldspäte (überwiegend Kalzium-reiche)
35 – 90 %* „basische Minerale“ wie Pyroxene, Hornblenden, Glimmer, Olivin – diese
Minerale färben das Gestein schwarz bis leicht grünlich
5 – 20 % dunkle Erzminerale
0 – 5 % Quarz
0 – 5 % Foide (sehr selten dunkle Gesteine mit höherem Gehalt an Foidmineralen)
0 – 90 % Gesteinsgläser und Gesteinsbruchstücke bei Vulkaniten
*vereinzelt liegen auch Gesteine vor, die zu fast 100 % aus mafischen Mineralen bestehen

Nach der Platznahme in der Erdkruste oder an der Erdoberfläche (Genese) werden die basischen Gesteine in drei wesentliche Hauptgruppen zusammengefasst:

- wenn diese Gesteine in der Tiefe Platz nehmen und abkühlen bilden sich fein- bis häufiger grobkristalline Gesteine in meist größeren Körpern = Plutone
Gesteinsbezeichnungen bei Plutoniten oder Tiefengesteinen z.B.: Gabbro, Norit, Pyroxenit

- im Kopfbereich derartiger Plutone nehmen meist fein- bis mittelkörnige Gesteine auch in unterschiedlich breiten Spalten Platz = Ganggesteine Gesteinsbezeichnung für Ganggesteine: Dolerit

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- Wenn diese basischen überwiegend feinkörnigen, oft auch mit blasigen Poren versehenen Gesteine an oder über der Oberfläche Platz nehmen = Vulkanite/Eruptiva Gesteinsbezeichnung für Eruptivgesteine: Basalt, Basaltlava. (Anm.: sehr vereinfachte aber gängige Darstellung, da auch in der Fachliteratur und landesabhängig noch weitere Begriffe verwendet werden, die jedoch für die Natursteinindustrie untergeordnet sind und mehr der wissenschaftlichen Unterscheidung dienen)

Je nach den oben geschilderten Platznahmen bilden sich auch unterschiedliche Gefüge aus die nach folgenden Kriterien bewertet werden und häufig auch für ein Gestein in einem Vorkommen bei der petrographischen Bezeichnung Eingang finden:

- Korngrößen und Kornausbildung
- Kornverteilungen
- Farbverteilung schwarz = grau bis weiß
- Farbintensität
- Anteil an Gesteinsporen
- Anteil an Gesteinsgläser und Gesteinsbruchstücken.

Damit bedingen die Entstehung mit der Platznahme (Genese) und die mineralische
Ausbildung das Dekor der schwarzen Hartgesteine:
- Farbausbildung, Farbintensität und Farbvarianz
- Textur und Struktur.
Charakteristisch für die Gesteinsgruppe ist die intensive unifarbene Ausbildung des Dekors. Bei gleicher Schnittrichtung und gleicher Oberflächenvergütung ist innerhalb eines Rohblocks eine relativ gleichmäßige Farbintensität zu erwarten. Jedoch treten auch häufig schichtförmig oder blasenförmig ausgebildete Mineraldifferenzierungen auf, die auf eine Erstreckung über dm intensive Differenzierungen in der Farbintensität bedingen können. Grenzbemusterungen können auf Grund dieser genetischen Ursachen und der unifarbenen Ausbildung nur sehr beschränkt angewandt werden.

Eine mineralische Besonderheit mit hohem dekorativem Wert ist das Auftreten von Mineralen mit einem irisierenden Effekt. Bei den basischen Gesteinen sind es im Wesentlichen zwei Minerale die in spezifischen Ausbildungen irisierend wirken: einige Feldspattypen, einige Pyroxentypen. Meist wird dieser Effekt durch submikroskopische Verwachsungen/ Entmischungen bewirkt. Am Markt sind derzeitig insbesondere drei schwarze basische Gesteine mit einem gleichmäßigem und intensivem typischen Effekt des Irisierens bekannt: GALAXY BLACK aus Indien, AFRICAN GALAXY aus Südafrika und GALAXY BRASIL aus Brasilien. Die makroskopische Verwendung irisierender Bestandteile von Pyroxen und Feldspat in den Handelssorten zur Bestimmung der Handelssorte ist jedoch sehr gewagt, da bereits innerhalb kurzer Erstreckungen in einem Vorkommen durchaus Schwankungen möglich sind.

Eine Mineralgruppe mit bautechnisch problematischem Verhalten stellen die Foide dar. Diese können in extrem Kieselsäure untersättigten (SiO2-freien) basischen Gesteinen auftreten. Sie bewirken bei bauchemischen Einflüssen meist eine leichte farbliche Veränderung des Gesteins an der Oberfläche. In seltenen Fällen kann die vollständige Zersetzung des Gesteins in seinem Gefügeverband eintreten. Derartige Gesteine dürften jedoch kaum in der Natursteinindustrie zur Verwendung gelangen. Kritischer ist die leichte farbliche Differenzierung durch oberflächennahe chemische Veränderungen im Mineralbestand. Obwohl diese in der Größenordnung von µ m liegt sind Farb- oder Ebenheitsveränderungen an Oberflächen monochromatischer Gesteine besonders auffällig.

In den letzten ca. 5 Jahren ist für die schwarzen Hartgesteinsorten sowohl die ständig wachsende weltweite Nachfrage charakteristisch als auch die zunehmende Begrenzung der Lieferfähigkeit in qualitativ guten und größeren Blöcken.

Typische Lieferländer für schwarze Hartgesteine mit dichtem Gefüge sind mit den unterschiedlichen oben genannten drei genetischen Typen:

in Afrika: Südafrika, Zimbabwe, Angola, Mauretanien, Nigeria, Malawi, Botswana
in Asien: VR China, Indien, Vietnam
in Amerika: Uruguay, Brasilien
in Europa: Schweden, Norwegen, Finnland, Russland.

Eine Unterscheidung der Herkunft und Bezeichnung sollte auch durch einen Fachmann auf der Grundlage der EN 12407 mittels geowissenschaftlicher Methoden getroffen werden, anderweitige Aussagen sind Vermutungen.

Die Handelssorte entspricht einem bestimmten Gestein aus einem bestimmten Herkunftsort. Dies betrifft meist einen bestimmten Steinbruch oder einem Steinbruchgebiet, kann aber auch auf eine bestimmte Schicht in einem Steinbruch angewandt werden. Prinzipiell ist die Bezeichnung einer Handelssorte dem jeweiligen Händler gegenüber seinem Kunden überlassen, soweit dies nicht markenrechtlich geschützte und damit auch als solche gekennzeichnete Begriffe berührt. Im Wirtschaftsraum der EU ist für die Bezeichnung grundsätzlich die EN 12440 zu berücksichtigen. Diese gibt zur Nutzung eines Handelsnamens folgende Einschränkungen:

- geographische Namen, die nicht zum tatsächlichen Ursprungsgebiet des Gesteins in Beziehung stehen
- Firmennamen.

Im Handelsbereich schwarzer Hartgesteine wird traditionell eine Differenzierung zwischen
Gesteinen

- mit einem fast vollständigem Farbbild zu schwarz
- einer punktuellen Farbverteilung von schwarz und grau bis weiß

angewandt.

Bei einem fast vollständig ausgeprägten schwarzen Gefügebild wird dann im Handelsnamen gerne der Begriff „absolut schwarz“ in verschiedenen Sprachausführungen verwandt.

Begriffe: NERO ASSOLUTO (ital.) NEGRO ABSOLUTO (span.), Preto Absoluto (port. ) ABSOLUT BLACK (engl.) = absolut schwarz (oder auch gemixt in den Sprachen)

Der Begriff wurde wohl zuerst von italienischen Unternehmen für den Gabbronorit aus dem Lagerstättengebiet Rustemburgin Südafrika verwandt, später beim Rückgang der Lagerstättenkapazität für ein gleichartiges Gestein aus den Neuaufschlüssen in Zimbabwe.

Hartgesteine mit verschiedener schwarzer Farbintensität werden in den jeweiligen Abbauländern mit diesem Begriff versehen. Der Begriff ist nicht geschützt und kann für alle schwarzen Farb- und Herkunftssorte beliebig verwendet werden. Es gibt somit keinen echten“ NERO ASSOLUTO im Sinne der Herkunft oder des Handelsprivilegs. Ebenso muss beim Herkunftsprinzip zwischen der ursprünglichen Herkunft des Gesteins, also des Rohblocks, der Rohtafel oder des im Herkunftsland des Gesteins erzeugten Halb- oder Fertigprodukts sowie eines aus dem Rohblock oder anderen Halbzeugproduktes gefertigten Bauteils in einem anderen Land unterschieden werden.

(z.B. Gewinnung eines Rohblocks NEGRO ORIENTALE (Dolerit) in Uruguay; Fertigung von Fliesen in China aus dem Rohblock; Einkauf der Fliesen durch Italien; Ankauf und Verarbeitung der Fliesen in Deutschland – es bleibt stets die Originalherkunft URUGUAY, der Handelsname kann jedoch frei gewählt werden)

6. Zusammenfassung

a) Gesteinszuordnungen und Begrifflichkeiten in der Naturwerksteinindustrie müssen im Wirtschaftsraum der EU entsprechend des Standes der Technik nach gültigen Normen festgestellt und angewandt werden

b) Schwarze magmatische Hartgesteine unterscheiden sich in ihren technischen Eigenschaften und im Dekor neben dem Mineralbestand auch wesentliche durch ihren genetischen Ursprung.

c) Die mineralische Zusammensetzung und die Genese bedingen einerseits die wissenschaftliche Bezeichnung eines Gesteins und werden andererseits oft für die Bezeichnung von Handelssorten herangezogen.

d) Die Bezeichnung ABSOLUT SCHWARZ kann dabei willkürlich frei gewählt werden und unterliegt keinem Zwang der Originalität.

e) Es ist zu empfehlen auf wesentliche bautechnische Eigenschaften in der Veräußerungskette hinzuweisen:

- Abriebfestigkeit geringer als bei quarzreiche Gesteine
- Beim Vorhandensein von Foiden und Gesteinsgläsern können bauchemische Probleme auftreten
- Infolge der unifarbenen Ausbildung der Gesteine sind feinste Farbschwankungen deutlich auffällig und nicht zu verhindern, Grenzbemusterungen sind problematisch

Autor:
Karl-Jochen Stein
Dipl.-Geologe
ö.b.u.v. Sachverständiger für Naturstein
durch die IHK Neubrandenburg & Nordschwarzwald
Am Schulzensee 3
OT Waldsee
D-17258 Feldberger Seenlandschaft
039820 30258 natursteinarchitektur@t-online.de

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