Schwarzer Granit
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Schwarzer Granit

Ihr Kunde will schwarzen Granit für die Fassade — diese Forderung mag ja im ersten Augenblick verständlich sein, weil es ja kaum einfarbig schwarze Kalksteine gibt, schwarze Schiefer den Anforderungen meist nicht genügen und beide Gesteinsarten nicht unbedingt als farbecht zu bezeichnen sind.

Die Forderung Granit "schwärzer als schwarz" lässt mittlerweile Steinbruchbesitzern, Natursteinhändlern und Natursteinverarbeitern die Haare grau werden. Allenfalls die Prüfanstalten und später die Natursteingutachter können sich die Hände reiben, ist es doch keinesfalls Granit, was da Granit genannt wird.

Was für den Bereich der Küchenarbeitsplatten noch angehen mag, findet bei Projekten mit großformatigen Platten, die sowohl Sonneneinstrahlung (und somit eine hohe UV Belastung) als auch subarktischen Temperaturen und hoher basischer und saurer Belastung standhalten müssen, schnell seine Grenzen.

Wenn dazu noch enge Liefertermine und — seit einigen Jahren der Deutschen liebstes Kind — ein "alles ist zu teuer" hinzukommt, bleibt dem Lieferanten eigentlich nur noch ein resigniertes Kopfschütteln.

Die Bezeichnung "schwarzer Granit"

Was meint man überhaupt mit "schwarzer Granit"? Eine klare Aussage dazu haben wir in europäischen Regeln und Normen noch nicht gefunden, deswegen greifen wir auf den amerikanischen ASTM C119-95B Standard zurück und erfahren hier folgendes:

"Schwarze Granite Dunkel gefärbte Eruptivgesteine, von Geologen als Basalt, Diabas, Gabbro, Diorit und Anorthosit definiert (hier fehlen doch noch Granodiorite, oder?). Sie werden in Steinbrüchen gewonnen und als Fassadenplatten, andere Bausteine und Monumente verarbeitet und als schwarzer Granit verkauft".

Die chemische und mineralogische Zusammensetzung der oben genannten Natursteine unterscheiden sich jedoch beträchtlich von denen echter Granite. Allerdings können diese Natursteine trotzdem in vielen Anwendungsgebieten durchaus so verwendet werden wie "Granit". Denn auch diese Natursteine besitzen ein kristallines und verzahntes Gefüge, enthalten aber — im Gegensatz zu echtem Granit — keinen oder nur sehr wenig Quarz oder Alkalifeldspat, dafür aber hohe Anteile an Plagioklas und dunklen Mineralien wie z. B. Biotit, Hornblende und Pyroxen.

Diese Natursteine werden auf Grund ihres hohen Gehalts an Eisen und / oder Magnesium als ferromagnesisch oder auch "mafisch" bezeichnet. Wobei Mafisch eine Sammelbezeichnung für melanokrate und holomelanokrate Gesteine ist. Eine Ausnahme bilden hier die Anorthosite, die — obwohl gemeinhin sehr dunkel — zur Gänze oder zu einem großen Teil aus Plagioklas bestehen.

Basalt hingegen ist, mineralogisch gesehen, nichts anderes als ein feinkörniger Gabbro, wird aber selten als solcher definiert. Auch Norit ist eigentlich nur ein Gabbro mit mehr Orthopyroxen als Klinopyroxen...

Spätestens jetzt hört es auf, für uns Natursteinhändler und Natursteinversetzer noch einen Sinn zu ergeben. Für einen Geologen mag es einfach und vernünftig klingen; im täglichen Kundengeschäft ist diese Art der Klassifizierung jedoch einfach nicht mehr zu gebrauchen und führt eher zu mehr Missverständnissen.

Arten von schwarzem Naturstein

Nun, Ihr Kunde möchte immer noch einen schwarzen Naturstein haben — je schwärzer desto besser. Schwarz ist schließlich elegant, schwarz steht für schlichte Schönheit, schwarz ist teurer und exklusiver als andere Steine — kurz gesagt, schwarze Natursteine sind in Mode.

Versuchen wir also einmal, etwas Ordnung in dieses Gefüge zu bringen:

ANORTHOSITE

  • Angola Black; Palm Black; Egal Black

DIABASE

  • Finnish Black — (Finnland)
  • Svart EGC; — Black EGC (Schweden)

DIORITE

  • Kuru Black — Kuru Black Star; (Finnland)
  • Negro Ochavo — Negro Valencia (Spanien)
  • Indian Black — Nero India, KH Black (Indien)
  • Star Galaxy — Black Galaxy; Galaxy Gold (Indien)
  • Zimbabwe Black — Nero Assoluto Zimbabwe; Belfast Zimbabwe; Nero Fine; Nero Coarse; Dark Grey (Zimbabwe)
  • Preto Tijuca — Andes Black, Negro Tijuca, Nero Tijuca, Tijuca Black Granite

DOLERITE

  • Transkei Black — (Transkei)
  • Kalopa Black — (Malawi)
  • Omenje Dolerite — (Namibia)
  • Shanxi Black — Supreme Black (China)

GABBROS

  • Belfast Black — Nero Assoluto; SSY Africa; Marlin; Nero Africa (Südafrika)
  • Rustenburg Grey — (Südafrika)
  • Bertania — Noir Royal,Rustenburg Black; Starlight (Südafrika)
  • Impala — Jasberg; Rustenburg, Nero Africa (Südafrika)
  • Saari Black — (Finland)
  • Preto São Gabriel — (Brasilien)
  • Preto Aracruz — (Brasilien)
  • Cambrian Black — (Kanada)
  • Peribonka — (Kanada)
  • Mongolia Black — (China)

MONZODIORITE

  • Brazil Black — Black Ceara (Brasilien)
  • Ebony Black — Swedish Black ;SS (Brasilien)

Diese Auflistung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wunderschöne schwarze Natursteine gibt es auch aus Uruguay, Paraguay und einer Vielzahl anderer Länder. Weitere Beispiele können Sie einfach auf Graniteland finden, indem Sie die Option "Erweiterte Steinart-Liste anzeigen" aktivieren.

Abbaugebiete von schwarzem Granit

Woher kommen denn nun die so heiß begehrten schwarzen Natursteine? Die Hauptlieferanten für schwarzen Naturstein sind immer noch die Länder im südlichen Afrika und Skandinavien. Danach folgen Brasilien, Indien, China und eine ganze Reihe kleinerer Produzenten.

Ausführliche und zuverlässige technische Dokumentation steht aus Südafrika zur Verfügung. Sollten Sie Interesse daran haben, können wir Ihnen gerne weitere Informationen zusenden. In diesem Artikel möchten wir nur kurz auf das Abbaugebiet eingehen, in dem nicht nur schwarze Steine zu finden sind, sondern auch das weltgrößte Platinvorkommen.

Der schwarze "Belfast" befindet sich ungefähr in der Mitte des Bushveld Eruptivkomplexes in Südafrika, in der Nähe von Pretoria. Über Jahrzehnte wurden hunderttausende von Tonnen dieser dunklen Natursteine hauptsächlich für die Denkmalindustrie sowohl vor Ort als auch in Übersee — hauptsächlich Europa — produziert und vermarktet.

Das Gabbro-Abbaugebiet erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über etwa 40 km. Die Schicht verstärkt sich beträchtlich, je weiter man nach Süden kommt. Während die Stärke im äußersten Norden "nur" 175 m beträgt, vertieft sich die Abbaumöglichkeit im Süden auf 800 m.

Im südlichen Bereich gibt es eine intensiv schwarze Zone innerhalb des dunklen Gabbro-Bereichs. Hier wird die beste Qualität des "Belfast" gefunden. Nach Ansicht der meisten Produzenten bleibt die Farbqualität in tieferen Schichten gleich, sie soll sich sogar verbessern. Unserer Meinung nach lässt die Intensität der dunklen Farbe aber in tieferen Schichten nach.

Die Qualität unterscheidet sich nicht nur von Steinbruch zu Steinbruch, selbst innerhalb des gleichen Steinbruchs sind deutliche Qualitätsunterschiede des Natursteins festzustellen.

In Botswana findet man hauptsächlich schwarze Diorite, die als Zuschlagstoffe und Schotter abgebaut und vermarktet werden. In Malawi findet man Höhenzüge aus feinkörnigem Dolerit und in Namibia wird ebenfalls fein- bis mittelkörniger Dolerit abgebaut. In Tansania und Mosambik gibt es ebenfalls große Vorkommen, die allerdings noch nicht vermarktet werden.

Seit einigen Jahren werden auch in China und in Indien Abbaugebiete mit schwarzem Naturstein erschlossen.

Schwarzer Naturstein aus China

In China kommen mittlerweile viele Natursteine aus der Provinz Shanxi und werden in unterschiedlichen Qualitäten als Mongolia Black, Supreme Black oder auch Nero Assoluto "C" und Shanxi Black angeboten. Shanxi Black wird bei Datong in ca. 2.000 m Höhe in einer Gesamtmenge 10.000 m³ pro Jahr zwischen Februar und Oktober abgebaut.

In Indien werden schon seit 1968 Gabbros und Norite abgebaut. Anfangs wurden die relativ kleinen Blöcke fast ausschließlich für die Herstellung von Grabsteinen verwendet. Der Hauptabnehmermarkt war Japan.

Heute hingegen findet man "Nero India" als Fliesen und Tafeln, Grabmale und Fassaden aus einer Vielzahl von Steinbrüchen in Kummam, Karsanur, Tindivanam, Paitur, Atur in Tamil Nadu, Charmarjanagar und Kollelgal in Karnataka und Warrangal in Andhra Pradesh.

Andere beträchtliche schwarze Vorkommen gibt es in Dharmapuri und Mettur, ebenfallsTamil Nadu, Chittoor und Khammam in Andhra Pradesh und schließlich noch Kanakpura nahe Bangalore.

Echte und falsche schwarze Natursteine

Je schwärzer, je feinkörniger der Naturstein ist, desto schwieriger ist die Gewinnung. In manchen Steinbrüchen sind nur etwa 5% des gewonnenen Materials wirklich tiefschwarz und feinkörnig. Idealerweise überschreitet die Korngröße nicht 0,5 mm. Der Rest des abgebauten Natursteins wird in verschiedenen Schattierungen bis hin zu dunkelgrau verkauft — entsprechend billiger natürlich.

Und hier kommt eine "hervorragend" organisierte chemische Industrie ins Spiel, die Prozesse anbietet, um den dunkelgrauen Naturstein zu "veredeln". Es gibt Teilbereiche der Chemie, die sich auf Natursteinbehandlung und "Natursteinveredelung" spezialisiert haben.

Diese Firmen bieten nicht nur an, Risse und Stiche zu verdecken, sondern auch farbliche Unreinheiten und Imperfektionen einfach überzufärben. So gibt es Firmen, bei denen man zum Beispiel die Farbe "Zimbabwe" bestellen kann. Einfach auftragen, und schon erhält man einen perfekt schwarzen "Natur"-Stein.

Jetzt kommen wir aber zur eigentlichen Frage zurück. Ihr Kunde kann keinen schwarzen Granit bekommen, schlicht und einfach, weil es keinen gibt. Wenn Sie ihn in dem Glauben lassen, bewegen Sie sich auf rechtlich unsicherem Gebiet, weil nämlich die Materialbezeichnung "Granit" dem Kunden auch die Qualitätsmerkmale des klassischen Granits zusichert.

So hinterfragt der vorsichtige Gebäudereiniger bei seinem Auftraggeber die Gesteinsart der Bodenbeläge, dieser schaut auf seiner Rechnung vom Steinmetz nach, und dort steht dann Granit China Black oder Granit Shang Black oder Granit Black Rain, usw. Gemeint ist aber immer G 684, ein äußerst säureempfindlicher Basalt!

Die falsche Bezeichnung wird an den nicht materialkundigen Gebäudereiniger weitergereicht, und dieser behandelt den Naturstein wie einen säurebeständigen Granit. Das Ergebnis ist, dass die Oberfläche nach einer simplen Zementschleierentfernung ruiniert ist, die Haftung oft über gerichtliche Auseinandersetzungen geklärt wird und den Verkäufer, der seiner Beratungspflicht nicht nachgekommen ist, zumindest eine Mitschuld treffen wird.

Natürlich gilt das nicht nur für schwarze Natursteine, sondern auch für alle anderen. Die sind vielleicht nur gerade nicht in Mode.

Diese Themen aber werden wir in nicht allzu ferner Zukunft gesondert behandeln.

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Der Naturstein im Hintergrund ist Cinza Castelo aus Brasilien.
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