Strahlung natürlicher Baustoffe
Graniteland.de » Naturstein Fachinfos » Naturstein Professionell » Strahlung natürlicher Baustoffe »

Strahlung natürlicher Baustoffe

Seit seinem Erscheinen auf der Erde ist der Mensch in seiner Umwelt radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Diese wird als natürliche Strahlung bezeichnet, im Gegensatz zu der vom Menschen zusätzlich verursachten künstlichen Strahlung.
Nachstehende Strahlungsarten, zwischen deren Wirkung prinzipiell keine Un-terschiede bestehen, sind bekannt:

• kosmische Strahlung (aus dem Weltraum)
• terrestrische Strahlung (aus der Erde)
• intrakorporale Strahlung (aus vom Körper aufgenommenen radioak-tiven Stoffen, z. B. dem Edelgas Radon)
• künstliche Strahlung (aus künstliche Strahlungsquellen, z. B. Röntgenuntersuchungen, Atomkraftwerken)

Wenn radioaktive Strahlung den menschlichen Körper trifft, kommt es zu Wech-selwirkungen, die den Menschen belasten können. Die Intensität einer Strah-lenquelle wird in der Einheit Becquerel (Bq) angegeben. Da die Strahlung jedoch sehr unterschiedlich auf den Menschen einwirkt, wird die Strahlenbelastung mit der Äquivalentdosis, angegeben in der Einheit milli-Sievert (mSv), quantifiziert.

Auch der menschliche Körper ist eine Strahlungsquelle, da er radioaktive Subs-tanzen enthält. Die innere Strahlenbelastung des Menschen durch natürliche Radioaktivität beträgt ca. 1,3 mSv/Jahr. Diese innere Strahlenbelastung wird hauptsächlich durch die Einatmung des radioaktiven Edelgases Radon erzeugt.
Die durchschnittliche Äquivalentdosis der kosmischen Strahlung beträgt in Deutschland ca. 0,6 - 0,9 mSv/Jahr, die der terrestrischen Strahlung ca. 0,4 mSv/Jahr bis maximal 2,0 mSv/Jahr. Bei einer Röntgenuntersuchung beträgt die Dosis zwischen 0,1 und 1,0 mSv, bei einer Computertomographie bis über 10 mSv.

Die durchschnittliche Äquivalentdosis der externen Strahlung von Baustoffen beträgt in Deutschland ebenfalls ca. 0,4 mSv/Jahr und liegt somit im Toleranz-bereich der natürlichen Strahlung.

Baustoffe sind nur dann radioaktiv, wenn sie radioaktive Elemente oder radioak-tive Isotope enthalten. Pauschale Aussagen, wonach von bestimmten Ge-steinsgruppen wie z. B. Granit besonders hohe Strahlung ausgeht, sind nicht richtig.

Die Konzentrationen der Nuklide im Naturstein sind sehr unterschiedlich, d. h. Natursteine können radioaktive Minerale enthalten, sie müssen aber nicht. Genaue Aussagen über die Strahlenexposition von Natursteinen sind nur an-hand von Untersuchungen am jeweiligen Gestein zu treffen. Einerseits ist die Konzentration der Nuklide abhängig von der Entstehung und dem Herkunftsort der Natursteine, andererseits müssen auch andere Aspekte wie z. B. die Gas-durchlässigkeit (Radon!) der Steine und ihre abschirmende Wirkung gegenüber der kosmischen Strahlung berücksichtigt werden.

Alle Baustoffe wie z. B. Ziegel, Beton und Betonsteine, Zement, Kies, Sand, Ton usw., können radioaktive Isotope enthalten und radioaktive Strahlung verursachen. Entscheidend für die Strahlenexposition ist neben dem Aktivitätsgehalt natürlich radioaktiver Stoffe auch die Masse der verwendeten Baustoffe. Da Naturwerkstein im Regelfall nur als Bekleidung verwendet wird, ist seine Masse gegenüber der Gesamtmasse der Baustoffe für tragende Bauteile (Beton, künstliche Mauersteine) nur gering.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass von Natursteinen in Einzelfällen eine geringe natürliche Strahlenbelastung ausgehen kann, die im Schwankungsbe-reich der üblichen natürlichen Strahlung liegt und deren schädigende Einflüsse auf den Menschen unwesentlich ist. Gegenüber anderen Baustoffen wie Be-ton, Ziegel oder auch Ton ist die Strahlenbelastung durch Naturstein nicht wesentlich verschieden.

In einer Broschüre der Verbraucher-Zentrale, herausgegeben von der Arbeits-gemeinschaft Wohnberatung e.V., heißt es hierzu:
"Steinbeläge, ob z.B. Natursteine oder Keramikplatten, sind wie alle terrestri-schen (das heißt: zur Erde gehören) Materialien geringfügig radioaktiv. Nach der sog. Leningrader Summenformel (danach wurde 1971 in Leningrad festge-legt, wie viel Strahlenbelastung für den Menschen zulässig ist) ist diese natürli-che Radioaktivität gering. Man nimmt an, dass sich der Mensch auch an sie gewöhnt hat, da sie seit jeher vorhanden ist. Nach bisherigen Erkenntnissen ruft sie keine Schädigungen hervor".

In 2006 wurden vom Bundesamt für Strahlenschutz zahlreiche Naturwerksteine hinsichtlich ihrer Strahlenbelastung untersucht worden. Nach der europäischen Empfehlung „Strahlenschutzprinzipien bezüglich der natürlichen Radioaktivität in Baumaterialien (Radiation Protection 112) sollte für Bekleidungsstoffe in In-nenräumen der Indexwert 6,0 der natürlichen Radioaktivität nicht überschritten werden, um die effektive Dosis durch den Einbau der Naturwerksteine auf unter 1 mSv/a zu begrenzen.

Die Indexwerte der untersuchten Naturwerksteine lagen überwiegend unter 1, der maximale Indexwert lag unter 2,5.

Mehr zum Autoren von Strahlung natürlicher Baustoffe
DNVDeutscher Naturwerkstein Verband e.V.
DNV LOGO
Der Naturstein im Hintergrund ist Madanapally White aus Indien.
RUN 0.043 MEM 1,453 SYS 0.02 0.02 0